BIOLOGISCHER SCHUTZ UND ZELLREGENERATION
Atempraxis beeinflusst physiologische Prozesse, die mit Alterung und Gesundheit zusammenhängen. In diesem Atem-Blog erfahren Sie, wie gezielte Atemregulation den Organismus vor biologischem Altern schützt, den Alterungsprozess verlangsamt und auf mehreren Ebenen zur ganzheitlichen Regeneration beitragen kann.
Der Traum von Schönheit und ewiger Jugend
Die Frage nach Schönheit und ewiger Jugend hat die Menschen schon seit jeher beschäftigt. Kleopatra badete in Eselsmilch und versorgte so ihre Haut mit feuchtigkeitsspendenden Proteinen, Vitamin A, C und E und mit einem hohen Anteil an Coenzym Q10, das nur in Eselsmilch enthalten ist.
Der ungarischen Gräfin Erzsébet Báthory wird nachgesagt, Jungfrauenblut getrunken und in diesem gebadet zu haben, um so den körperlichen Alterungsprozess zu stoppen. Und tatsächlich wurde vor nicht allzu langer Zeit festgestellt, dass junges Blut in Mäuseexperimenten einen alten Körper und ein älteres Gehirn verjüngt. Glücklicherweise ist es weder nötig in Eselsmilch zu baden noch Jungfrauenblut zu trinken, um sich selbst zu helfen, länger gesund, jung und schön zu bleiben. Auch Körper-Geist Übungen wie Yoga und Atempraxis sollen den altersbedingten Verfall verlangsamen.
Vor einigen Jahren wurden in Tibet auf den Wänden des geheimen Tempels des Dalai Lama in Lhasa uralte Zeichnungen körperlicher Trul-Khor-Praktiken und diverser Atemübungen gefunden, die das Ziel verfolgen sowohl das körperliche als auch das geistige Altern dadurch umzukehren, dass sie die emotionale und physische Gesundheit verbessern. Negative Emotionen und der Stress, der mit negativen Gedankenschleifen einhergeht, beschleunigen nachweislich das körperliche und geistige Altern!

Schon ab Mitte zwanzig altern wir!
Der Prozess des altersbedingten körperlichen Schwundes beginnt bereits Mitte zwanzig und bezieht nicht nur die Haut und die äußere Schönheit, sondern auch das Gehirn und alle körperlichen Funktionen mit ein. Zum Beispiel nimmt, ohne dass wir es merken, die Produktion der Lungenbläschen in unserer Lunge ab. Das Atemvolumen wird dadurch kleiner und der Körper kann schlechter mit dem Lebenselixier Sauerstoff versorgt werden.
UND: Mit dem Alter verlieren wir die Fähigkeit, richtig zu atmen.
Das wiederum wirkt sich negativ auf jede einzelne Zelle im Gehirn und im Körper aus. Der mentale und der körperliche Gesundheitszustand sowie die Geschwindigkeit des Alterungsprozesses hängen vom Gasaustausch zwischen unserem Organismus und der Umwelt und von der Art, wie wir atmen, ab. Denn: Jede einzelne Zelle atmet. Sie nimmt Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. In diesem Zusammenhang bietet sich Atmung als Praxis rein physiologisch an, die Atemmuskulatur zu stärken, die Effizienz der Atmung zu verbessern und so jeder einzelnen Körper- und Gehirnzelle zu helfen, länger funktionsfähig und jung zu bleiben.
Falsche Atmung begünstigt Krankheit und beschleunigt den Alterungsprozess
Unsere Atmung als Prozess verläuft meist nebenher und automatisiert ab. Unterhalb der Bewusstseinsschwelle sorgt der Körper so dafür, dass alle wichtigen Prozesse ungehindert und korrekt ablaufen können. Trotz der großen Bedeutung richtiger Atmung für die Gesundheit wird ihr präventiv bis heute zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Je nach Studie atmen 12 % – 53 % der Kinder und ca. 17 % der Erwachsenen funktionell nicht richtig. Ohne dass wir uns dessen bewusst sind, gefährden die falschen Atemgewohnheiten die Gesundheit jeder einzelnen Körper- und Gehirnzelle.
Atmen wir zum Beispiel durch den Mund, zu flach und zu schnell oder leiden unter Schlafapnoe (nächtlichen Atemaussetzern) kann das Gehirn, insbesondere der Kortex nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt werden. Das Gehirn wiederum ist die Steuerungszentrale des gesamten Organismus. Wenn dieses wichtige Organ sich ungünstig vernetzt und nicht den Anforderungen entsprechend funktioniert, wirkt sich dieser Umstand auf alle überlebenswichtigen Funktionen aus. Psychische Symptome wie das Aufmerksamkeits-(Hyperaktivitäts-)Defizit-Syndrom oder das im Alter weitverbreitete metabolische Syndrom sind neben zahlreichen weiteren Folgeerkrankungen nur einige Beispiele für die Auswirkungen falscher Atemgewohnheiten. Unter ineffizienter Atmung leiden folglich der ganze Organismus und jede einzelne seiner Zellen.
Und: Wir altern schneller!
Atempraxis schützt den Körper und das Gehirn vor vorschnellem Altern
Die moderne Medizin interessiert sich zunehmend für die Macht der Atmung. So wurde zum Beispiel in neueren Studien festgestellt, dass das Training der Atemmuskulatur oder spezifische Atempraxis nicht nur sportliche Leistungen und physische Leistungsfähigkeit hebt, sondern auch den allgemeinen Alterungsprozess rein physiologisch positiv beeinflusst. Trainieren ältere Erwachsene z. B. täglich durch Atempraxis ihre Atemmuskulatur verändert sie sich in Struktur und in Funktion. Auch im Alter. Nach nur 4-8 Wochen Praxis zeigen ältere Praktizierende deutliche Verbesserungen (50 %-75 %) im maximalen inspiratorischen Druck (MID). Dieser Wert gibt Auskunft darüber, wie gut die Atemmuskulatur arbeitet und wie stark sie ist. Eine starke Atemmuskulatur verbessert nicht nur die Atmung als Prozess, sondern unterstützt auch die gerade Haltung des Körpers, da sie die Muskulatur stärkt, die die Wirbelsäule aufrichtet. Und natürlich profitiert jede einzelne Zelle von einer gut funktionierenden Atmung. Wenn die Atemmuskulatur besser arbeitet, kann der Gasaustausch im gesamten Körper effizienter ablaufen, der gesamte Organismus besser versorgt werden und von Kopf bis Fuss besser funktionieren.

Atempraxis unterstützt das Herz
Herzschlag und Atmung sind aneinander gekoppelt und beeinflussen sich gegenseitig (Respiratorische Sinusarrhythmie – RSA). Das Herz ist deshalb direkt auf eine korrekt ablaufende Atmung angewiesen. Je älter wir werden umso mehr nimmt das Atemmuskelgewebe und die Fähigkeit den Brustkorb auszuweiten und somit korrekt zu atmen ab und umso mehr leidet das Herz. Wenn nun ältere Erwachsene täglich, durch spezifische Atempraxis, ihre Atemmuskulatur trainieren verbessern sich durch die Zunahme der Lungenkapazität und durch den besseren Zustand der Atemmuskulatur die Funktionen des Herzens. So steigt durch Atemeffizienz z. B die Fähigkeit des Herzens, auf Belastungen zu reagieren bzw. sich nach Belastungen schneller wieder zu erholen (=Herzratenvariabilität – HRV). Eine hohe HRV zeugt von einem guten körperlichen und psychischen Gesundheitszustand.
Auch der Blutdruck normalisiert sich durch Atempraxis. Das bezieht den Blutdruck der Gehirngefäße mit ein. Deshalb kann Atempraxis vermutlich auch bei ausgeprägteren Blutdruckveränderungen unterstützend wirken. Da es bislang keine Studien gibt, die Atempraxis über Monate oder Jahre begleiten, lässt sich die langfristige Wirkung nicht abschließend beurteilen. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck sollte deshalb immer ärztlich abgeklärt werden.
Atempraxis fördert die Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn
Wird die Atemmuskulatur durch Atempraxis regelmäßig im Alltag trainiert, verbessert sich direkt die Gehirndurchblutung und damit die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff. In jeder Altersgruppe, nicht nur bei Älteren fördert Atemtraining die Neurogenese und die Neuroplastizität (die Entstehung neuer Nervenzellen und die Verdrahtung im Gehirn) und führt dazu, dass sich das Gehirn besser und schneller neu organisieren und an neue Anforderungen anpassen kann. Bei Menschen über vierzig beeinflusst Atempraxis außerdem signifikant das Gedächtnis und die exekutiven Funktionen (Planen, Problemlösen, Selbstregulation, Aufmerksamkeitssteuerung und Organisation). Es wurde festgestellt, dass Menschen, die Atemübungen im Alltag praktizieren, nicht die gleichen altersbedingten Veränderungen im Gehirn haben wie Menschen ohne Atempraxis. Es scheint so, als ob diese Menschen körperlich und mental signifikant langsamer altern. Vermutlich liegt das u. a. daran, dass Atempraxis aktiv die Stressreaktion im Körper beeinflusst und die Ausschüttung der Stresshormone senkt, die langfristig jedes Körpergewebe ungünstig beeinflussen.

Tägliche Atempraxis mildert die Auswirkungen von chronischem Stress
Dass chronischer Stress die Gesundheit schädigt und die Neurogenese nachteilig beeinflusst und dazu führt, dass wir schneller altern, ist nicht neu. Jede Zelle des Körpers, insbesondere im Gehirn und hier vor allem im Hippocampus, der für das (emotionale) Erinnern zuständig ist, wird durch hohe Kortisolwerte ungünstig beeinflusst. Was wir oft vergessen: auch negatives Denken ist Stress. Bei jedem destruktiven Gedanken überfluten uns Stresshormone wie Kortisol und beschleunigen den körperlichen und den geistigen Alterungsprozess. Ungünstige Gedanken kontrollieren zu lernen ist deshalb extrem wichtig und hilft, die Level der Stresshormone in unserem Organismus zu senken und unsere Gesundheit ganzheitlich zu schützen.
Atempraxis bringt rein physiologisch Ruhe in destruktive Gedankenkreise und hilft über bessere Gedankenkontrolle, Kortisol abzubauen. Im Gehirn ist die Atmung über den Locus coeruleus (L.C) mit der Aufmerksamkeit verknüpft. Locus coeruleus ist auch für die Ausschüttung des Stresshormons Noradrenalin und für die Stressregulation verantwortlich. Wenn wir nun aktiv und achtsam unsere Aufmerksamkeit auf die Atmung richten und den störenden Gedanken die neuronale Energie entziehen, können wir über die Neuausrichtung der Aufmerksamkeit direkt auf die Stressreaktion im Körper Einfluss nehmen und uns selbst beruhigen. Die Übung der Atemachtsamkeit zum Beispiel ist dafür bekannt, hohe Stresslevels und negative Emotionen zu senken. Gleichzeitig aktiviert Atempraxis den Parasympathikus und den Vagusnerv. Wenn wir regelmäßig Atembeobachtung praktizieren, helfen wir dem Körper auf biochemischer Ebene die Stresshormone Kortisol und Noradrenalin zu reduzieren und außerdem oxidativen Stress zu senken und freie Radikale abzubauen.
Atempraxis beugt den Folgen von oxidativem Stress vor
In neuerer Zeit hat man festgestellt, dass eine achtsamkeitsorientierte Atempraxis den oxidativen Stress im Körper senkt. Oxidativer Stress beschreibt einen hohen Spiegel von freien Radikalen. Freie Radikale entstehen als Folge eines natürlichen Stoffwechsels und als Folge des Lebensstils durch UV-Strahlung, Alkohol-, Zigarettenkonsum und Stress (insbesondere Schlafmangel). Von oxidativem Stress spricht man, wenn zu viele freie Radikale im Körper vorhanden sind. Langfristig schädigen diese diverse Zellen, verändern ihre DNA oder zerstören sie vollständig. Die Veränderung der DNA der Zellen durch zu viele freie Radikale begünstigt das schnelle Altern und ist eine der Ursachen für diverse chronische Erkrankungen. Es wird vermutet, dass oxidativer Stress durch die Veränderung der Zellen an der Entstehung von Erkrankungen des Immunsystems wie Diabetes, chronischen Nieren-/ Lebererkrankungen und Erkrankungen des Herzkreislauf-Systems beteiligt ist. Auch für die Entstehung von Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen wird oxidativer Stress verantwortlich gemacht, da er genetische Mutationen bedingt.
Bewusstes achtsames Atmen hilft die Spiegel der freien Radikale und der Stresshormone zu normalisieren und schützt unsere DNA und alle unsere Zellen vor unterschiedlichen stressbedingten Einflüssen und Mutationen sowie den daraus resultierenden Erkrankungen.

Atempraxis und Epigenetik
Achtsame Atempraxis regelmäßig durchgeführt, kann dazu führen, dass wir auf genetischer Ebene langsamer altern. Unsere Telomere, die sich an den Enden der Chromosomen, den Trägern der genetischen Information befinden und wie Plastikkappen am Schnürsenkel die Chromosomenenden schützen, verkürzen sich durch achtsame Atempraxis langsamer. Die Länge der Telomere gilt als ein wichtiger Biomarker, der angibt, wie weit fortgeschritten der zelluläre Alterungsprozess bereits ist. Alle Formen von Stress und der Alterungsprozess an sich beeinflussen die Länge der schützenden Telomere ungünstig. Je älter wir sind, desto kürzer werden die Telomere. Wenn wir nun regelmäßig achtsam Atempraxis üben, aktivieren wir ein Enzym, welches die Telomerlänge positiv beeinflusst: die Telomerase. Telomerase sorgt dafür, dass sich die Telomere während der Zellteilung nicht verkürzen und dass sich die Körperzellen weiterhin effizient regenerieren können. Praktiken wie Achtsamkeit, Atempraxis oder Yoga sind in der Lage, die Aktivität der Telomerase, insbesondere in Immunzellen, positiv anzuregen. Besonders die achtsame Praxis des Atems zum Beispiel im Yoga scheint auf die Zellalterung positiv einzuwirken. Menschen, die Yoga praktizieren (Achtsamkeit/ Meditation, Atmung und moderate Bewegung) haben eine erhöhte Telomeraseaktivität und längere Telomere.
FAZIT: Atmung als tägliche Praxis hält länger jung und gesund!
Die Wirkung der unterschiedlichen Atemtechniken auf verschiedene Aspekte der körperlichen und psychischen Gesundheit und auf das Altern sind heutzutage sehr gut dokumentiert. Innerhalb der menschlichen Evolution hat sich erwiesen, dass eine langsame, leise, rhythmisch variable Zwerchfellatmung durch die Nase am effizientesten und am gesundheitsförderndsten für den menschlichen Organismus ist. Wenn wir eine regelmäßige und achtsame Atempraxis in unserem Alltag etablieren, beugen wir den stress- und altersbedingten genetischen Veränderung bis zu einem gewissen Grad vor: Wir bleiben länger geistig und körperlich fit, jung und gesund. Wir ganz allein können uns kostengünstig und ohne Medikamente zu mehr Vitalität, Gesundheit und Jugend verhelfen, indem wir unserer Atmung im Alltag ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken. Wenn sich unsere Atemgewohnheiten verbessern, verbessert sich die Kapazität, Funktion und Gesundheit jeder einzelnen Körperzelle.
Quellenhinweis: Die zugrundeliegende wissenschaftliche Literatur ist direkt im Text verlinkt und kann dort eingesehen werden.
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