ATEMPRAXIS IN 6 SÄULEN/ 2

Wirkmechanismen & neuronale Grundlagen

Im letzten Atem-Blog haben wir uns mit den ersten drei Säulen der Atempraxis beschäftigt: Intention, Aufmerksamkeit und Interozeption. Sie beschreiben die ersten drei Wirkmechanismen, über die sich die Effekte der Atempraxis entfalten können.

Der Fokus dieses Atem-Blogs liegt auf den drei verbleibenden Säulen der Atempraxis:

Säule 4. Achtsamkeit: die Macht der Gegenwart

Achtsamkeit ist die vierte Säule der Atempraxis. Sie ist direkt mit Interozeption – Säule 3 – verknüpft, die ohne Achtsamkeit nicht möglich ist. Alles, was wir tun, sollte achtsam getan werden … 

Aber was ist Achtsamkeit überhaupt? 

Eine alte traditionelle Zen-Anekdote fasst in einer kurzen Geschichte zusammen, was es bedeutet, im Alltag wirklich achtsam zu sein:

Einige Schüler fragten ihren Zen-Meister, warum er trotz seiner vielen Arbeit immer so glücklich und gelassen sein könne. Der Meister antwortete: „Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich.“

Die Schüler erwiderten: „Aber das tun wir doch auch! Wir schlafen, essen, gehen und sprechen.“

Daraufhin sagte der Meister: „Nein. Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon. Wenn ihr steht, dann lauft ihr schon. Wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel. Und wenn ihr esst, dann seid ihr mit euren Gedanken schon beim nächsten Problem.“

Die Quintessenz der Geschichte: Wer mit seiner Aufmerksamkeit ganz im Hier und Jetzt bleibt, erlebt mehr Ruhe und Klarheit. Gelassenheit entsteht, wenn wir aufhören, gedanklich ständig schon beim Nächsten zu sein. 

Übertragen auf die Atempraxis bedeutet dies, die Aufmerksamkeit immer wieder bewusst zum Atem zurückzuführen, anstatt sich in Gedanken über die Vergangenheit oder den weiteren Verlauf des Tages zu verlieren.

Achtsamkeitsforschung

Als psychologisches Konstrukt ist Achtsamkeit gut erforscht. Bekannte Wissenschaftler wie John Kabat-Zinn, emeritierter Professor an der University of Massachusetts Medical School in Worcester, Richard Davidson, Neurowissenschaftler an der Universität Wisconsin-Madison, oder Sara Lazar, Wissenschaftlerin an der Harvard Medical School, und viele andere widmen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln diesem umfassenden Thema und zeigen, dass regelmäßige Achtsamkeitspraxis mit funktionellen und teilweise auch strukturellen Veränderungen neuronaler Netzwerke assoziiert sein kann. Wenn sich im Gehirn und Nervensystem etwas verändert, wird sich dies langfristig auch auf Denken, Fühlen und Verhalten auswirken.

So führt z. B. regelmäßig praktizierte Achtsamkeit nachweislich dazu, dass die menschliche Tendenz, jede einzelne Erfahrung und jedes einzelne Erlebnis zu analysieren und automatisch zu bewerten, abnimmt. Das gilt für Bewertungen von anderen und von sich selbst, aber auch für überhöhte Erwartungen. Im Rahmen der Polyvagal-Theorie beschreibt Stephen Porges, warum das so ist. Bewertungen werden durch unser Nervensystem oft als Bedrohung wahrgenommen und aktivieren die Stressreaktionen. 

Schaltet das Nervensystem durch achtsame und regelmäßige Atempraxis langfristig „um“, werden wir es nach und nach auch im Alltag spüren. Der Umgang mit uns selbst und mit den Anderen und unsere Erwartungshaltung wird entspannter. 

Achtsamkeit

Atmung als achtsamkeitsbasierte Praxis

Achtsamkeit auf den Atem, auch Atemmeditation oder Atembeobachtung genannt, ist aus unterschiedlichen Kulturen bekannt und wird heute immer populärer. Auch innerhalb der Atempraxis ist Achtsamkeit von Bedeutung, da wir das Ziel verfolgen, den inneren Fokus während der Atempraxis immer auf dem Atem als Arbeitsobjekt zu belassen und uns nicht durch innere oder äußere Phänomene ablenken zu lassen (siehe auch Säule 2. Aufmerksamkeit). 

Warum dies wichtig ist, wird deutlich, wenn wir den Atem mit anderen Übungsformen vergleichen. Wer beim Krafttraining eine schwere Langhantel bewegt, kann es sich kaum leisten, gedanklich abzuschweifen. Das Gewicht selbst fordert Aufmerksamkeit ein. In der Atempraxis fehlt dieser äußere Zwang. Die Fähigkeit, den Fokus bewusst auf dem Atem zu halten, wird deshalb selbst zum Trainingsinhalt.

Wenn wir unseren Gedanken, Emotionen und Impulsen freien Lauf lassen, ist es wahrscheinlicher, dass sich durch das mentale Abschweifen technische Fehler einschleichen und dass wir in alte unbewusste Atem- und Denkgewohnheiten zurückfallen, die wiederum entsprechende Emotionen und Impulse nach sich ziehen. 

Achtsamkeit innerhalb der Atempraxis kann dem vorbeugen und uns ungünstige Atemmuster, Denkgewohnheiten, Emotionen und Verhaltensimpulse bewusst machen. Erst wenn diese physiologischen und mentalen Muster wahrgenommen wurden, können sie gezielt durch Übung verändert werden.

Gleichzeitig hilft Achtsamkeit in der Praxis dabei, bei der Sache zu bleiben, da Aufmerksamkeit auf die Atmung über die Modulation der Noradrenalinausschüttung (siehe Säule 2: Aufmerksamkeit) grundlegende innere Prozesse beeinflusst. Das bedeutet, dass unsere Praxis mit der Zeit umso konzentrierter wird, je regelmäßiger wir den Fokus auf die Atmung richten (siehe auch Atem-Blog: “Von Disziplin zu Routine”). 

Säule 5. Die Bedeutung der Technik in der Atempraxis

Innerhalb der hier vorgestellten Atempraxis, in der Gehirn- und Nervensystem sowohl top-down über die bewusste Steuerung der Atmung als auch bottom-up über körperliche Rückmeldungen aus Atemmuskulatur und Gewebe beeinflusst werden sollen, umfasst Technik mehr als die reine mechanische Ausführung der Atemübung. Die Praxis soll neben körperlichen auch emotionale und kognitive Prozesse ansprechen, wodurch sowohl die korrekte Atemtechnik als auch die bewusste Lenkung von Aufmerksamkeit, also die mentale Haltung während des Übens, von Bedeutung sind.

Körperliche Technik in der Atempraxis

Körperliche Technik: Das Gewebe optimal stimulieren

Bevor Sie mit der Praxis beginnen, identifizieren Sie bitte, wie im Blog 1 dargestellt, Ihre Atemmuster: Wie atmen Sie? Das Wissen um die eigene Atmung ist wichtig, um – falls nötig auch außerhalb der Praxis – die Atemmuster mittels Bewusstsein aktiv zu verändern. 

Haltung

Innerhalb der Atempraxis ist es immer von Vorteil, im Sitzen zu üben. Der Rücken sollte frei, gerade und entspannt sein, die Schultern leicht hinten und unten. Wenn Sie merken, dass Sie in ein Hohlkreuz verfallen, legen Sie sich gerne ein Kissen unter das Steißbein. Ihre Wirbelsäule wird so automatisch aufgerichtet und die Lunge kann sich optimal und dreidimensional ausdehnen. 

Die Körpermitte sollte während der Praxis frei beweglich sein und sich beim Atmen ungehindert ausdehnen können. Gürtel oder Kleidung, die den Brustkorb einengt, sind nicht geeignet. Die freie Körpermitte ist wichtig, da wir innerhalb der Praxis sowohl das Zwerchfell als auch andere Atemmuskeln optimal stimulieren wollen, sodass sie sich in Morphologie und Struktur langfristig der Atempraxis anpassen und bei weniger Anstrengung eine effizientere Leistung erbringen. Das Dehnen und die Anspannung dieser Muskeln ist unter anderem für die physiologischen Effekte der Praxis verantwortlich.

Deshalb kontrollieren Sie immer Ihre Sitzposition:

  • Ist Ihr Rücken gerade?
  • Sind die Schultern entspannt und nach unten ausgerichtet?
  • Ist der Rücken bis zur Lendenwirbelsäule frei, sodass sich die Atemmuskulatur optimal und frei bewegen kann?

Die Ein- und Ausatmung als komplexer Vorgang sollte immer alle drei Bereiche der Lunge mit einbeziehen: die Brust, die Flanken und den Bauch. Während der Einatmung und Ausatmung sollen sich Brustkorb, Flanken und Bauch möglichst frei und koordiniert rhythmisch und variabel bewegen.

Je nachdem, in welcher Frequenz und Tiefe wir atmen, kann das Gewebe unterschiedlich stimuliert werden und bottom-up entweder aktivierend oder entspannend auf das Nervensystem zurückwirken. 

Merke:

Es ist ferner wichtig, innerhalb der Atempraxis beim Ein- und Ausatmen die gleiche Menge an Luft zu bewegen und die Lunge gleichmäßig zu füllen und zu leeren. Es ist nicht das Ziel, bei einer Frequenz von “fünf Sekunden ein – fünf Sekunden aus” nach drei Sekunden die Lunge voll zu haben und zwei abzuwarten. Vielmehr ist es von Bedeutung, die Einatmung gleichmäßig auf fünf Sekunden zu verteilen. 

Nase

Grundlage: Die Nase – mehr als nur ein Atemorgan

Nasenatmung sollte in Ruhe und in der Praxis immer die gewählte Atemform sein, da sie neben physiologischer auch eine psychophysiologische Wirkung auf Gehirn und Nervensystem entfaltet. 

Innerhalb einer gesunden Atmung wird Mundatmung nur hinzugezogen, wenn – wie bei körperlicher oder psychischer Anstrengung – ein vermehrter Gasaustausch stattfindet und die Nasenatmung allein nicht ausreicht, um den erhöhten metabolischen Anforderungen nachzukommen. 

Wird innerhalb der Praxis auf Nasenatmung geachtet und die körperliche Technik berücksichtigt, verbessert sich durch die Anpassungen im Gewebe der oberen und unteren Atemwege die Atemeffizienz und beeinflusst langfristig Atemverhalten sowie psychophysiologische Prozesse des Gehirns und des autonomen Nervensystems. 

Mentale Technik: Ein Weg zu mehr Regulation

Wie wir innerhalb der Säulen 1 bis 4 gesehen haben, spielt neben der körperlichen Technik die mentale Technik eine Rolle in der Atempraxis. Üben wir unkonzentriert, ohne den Körper zu spüren, mit einer schwachen Intention ohne Motivation, werden insbesondere die Effekte der Praxis auf psychische Variablen wie Aufmerksamkeit, Impuls- und emotionale Kontrolle, etc. geringer ausfallen. 

Die psychischen Herausforderungen, die uns in der Atempraxis begegnen, sind meist dieselben wie im Alltag: Schwierigkeiten, sich zu überwinden, Motivationseinbrüche, Abschweifen oder mangelndes Durchhaltevermögen. Verfallen wirwährend der Praxis in dieselben Denk- und Reaktionsmuster wie im Alltag, stärken wir genau die neuronalen Schaltkreise, die diese Schwierigkeiten aufrechterhalten. Deshalb ist gerade zu Beginn der Atempraxis innere Disziplin besonders wichtig. Denn:

Wenn du deinen Geist nicht beherrschst, wird dein Geist dich beherrschen“ (Eliud Kipchoge, Marathon Weltmeister)

Säule 6. Psychoedukation: Das Wissen um das „wie“

Psychoedukation vermittelt das Wissen über die Hintergründe und Wirkmechanismen der Praxis. Dieses Verständnis kann dazu beitragen, die eigenen Erfahrungen besser einzuordnen, die Bedeutung regelmäßigen Übens zu erkennen und die Motivation für eine langfristige Praxis aufrechtzuerhalten.

Wissen schafft Orientierung und Sicherheit. Wer versteht, weshalb bestimmte Atemtechniken angewendet werden und welche Prozesse sie anstoßen können, begegnet der Praxis häufig mit größerem Vertrauen, mehr Klarheit und einer bewussteren Ausrichtung. Dadurch wird es leichter, Erfahrungen einzuordnen und die Praxis kontinuierlich in den Alltag zu integrieren.

Alle Beiträge zur Atempraxis sind daher zugleich Teil der Psychoedukation.

Fazit

Die sechs Säulen der Atempraxis lassen sich grundsätzlich auf jede Form von Praxis anwenden. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die angestrebten Veränderungen nachhaltig und zielgerichtet erreicht werden.

Unabhängig davon, ob das Ziel körperliche Leistungsfähigkeit, emotionale Stabilität, Konzentration, Entspannung oder persönliches Wachstum ist, benötigt jede Praxis eine Intention, regelmäßige Aufmerksamkeit, die Wahrnehmung relevanter Signale, eine Form von Achtsamkeit, eine angemessene Technik und ein Verständnis der zugrunde liegenden Zusammenhänge. Die Zielsetzung mag sich unterscheiden, die grundlegenden Voraussetzungen für Lernen, Anpassung und langfristige Veränderung bleiben jedoch dieselben.

Im nächsten Atem-Blog:
Von anstrengender Disziplin zum Automatismus – gesunde Atemroutine in den Alltag integrieren.

Quelle: Wolke., M. (2026). Ich atme also bin ich. Wie Atmung Denken Fühlen und Verhalten in Einklang bringt. Mayer& Meyer: Achen.

ATEMPRAXIS IN 6 SÄULEN/ 1

Grafik der 6 Säulen der Atempraxis und ihrer Wirkmechanismen auf Gehirn und Nervensystem

Wirkmechanismen & neuronale Grundlagen

In diesem Artikel erkläre ich die Wirkung hinter der Atempraxis mit Hilfe der ersten 3 von 6 Säulen.

Nachdem Sie im letzten Atem-Blog identifiziert haben, wie Sie im Alltag atmen, wenden wir uns in diesem Blog der Frage zu, wie Sie durch Atempraxis Ihre persönlichen Entwicklungsziele erreichen können. Sie werden erfahren, was Sie beachten sollten, damit das Instrument Atmung als Reflex die volle Wirkung im Körper und im Gehirn entfalten kann. Denn Atempraxis ist nicht gleich Atempraxis.

Die sechs Säulen der Atempraxis

Atempraxis ist ein psychophysiologisches Verfahren und ein körperliches, emotionales und kognitives Trainingsinstrument. Über unterschiedliche Zugänge kann sie helfen, das Nervensystem und das Gehirn in Funktion und Struktur zu verändern. Damit jede Körperzelle optimal von der Praxis profitiert, schlage ich vor, die Wirkmechanismen hinter der Atempraxis in sechs Säulen zusammenzufassen:

  1. Intention
  2. Aufmerksamkeit
  3. Interozeption
  4. Achtsamkeit
  5. Psychoedukation
  6. Technik

Dieser Atem-Blog beleuchtet die Bedeutung von Intention, Aufmerksamkeit und Interozeption als zentrale Säulen der Atempraxis.

Säule 1: Der Wille ist der Weg – die Intention zur Praxis

Die Intention ist die Absicht bzw. der Vorsatz, eine bestimmte Handlung durchzuführen oder ein gesetztes Ziel zu erreichen. Die Intention, etwas zu tun – ganz gleich, was –, hat immer mit Motivation und Selbstüberwindung zu tun. Auch wenn die Atempraxis eine sehr wirkungsvolle Übung darstellt, ist sie zu Beginn, insbesondere mental, keine einfache Übung. Unser „Denker“ ist schnell gelangweilt. Ständig sucht er nach Aufregung – im Innen und im Außen. Auf die anfängliche Anstrengung kann er deshalb schnell mit Überforderung und Demotivation reagieren.

Mit etwas Neuem zu beginnen, bedeutet oft eine mentale Überwindung und manchmal auch eine Konfrontation mit den eigenen inneren Blockaden. Ohne einen festen Vorsatz und die damit einhergehende Disziplin ist es schwer, die selbst gesetzten (Atem-)Ziele zu erreichen.

Intention: der nötige Reiz für das Gehirn

Die Intention, etwas Bestimmtes zu tun, hinterlässt auch Spuren im Gehirn. Sie stärkt den Kortex, also den Bereich, der die Entscheidungsfindung und mentale Kontrolle steuert, und hilft dem Gehirn, sich durch Wiederholung langfristig neu zu organisieren. Der Wille, also die Intention, die Atempraxis im eigenen Alltag zu etablieren, ist deshalb die erste und bedeutendste der 6 Säulen in der Atempraxis. Ohne Intention kommt es gar nicht erst zu einer Praxis.

Es gilt: Der Weg ist das Ziel. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Mehr Emotionskontrolle oder Ausgeglichenheit zum Beispiel lässt sich nur durch viele kleine (Atem-)Schritte erreichen. Die inneren Prozesse, die diese Zustände repräsentieren, brauchen Zeit, um sich an die neue Erfahrung anzupassen. Der Wille und die Intention, den inneren Schweinehund zu überwinden und – gerade zu Übungsbeginn – die selbst auferlegte Praxis durchzuhalten, bis sich das neue Verhalten automatisiert hat, sind die Voraussetzungen für Praxiserfolge.

Haben wir den Schweinehund überwunden und mit der Praxis begonnen, kommt die Ausrichtung der Aufmerksamkeit als Säule 2 ins Spiel.

Säule 2: Fokus üben – Die Bedeutung der Aufmerksamkeit in der Praxis

Grafik zur Säule 2 der Atempraxis in 6 Säulen: Symbolbild für Fokus und Aufmerksamkeit beim Atmen.

Aufmerksamkeit ist die Fähigkeit, die Sinne auf ein Objekt auszurichten und andere Reize aus der Umwelt sowie aus dem Inneren auszublenden. Innerhalb der Atempraxis bezieht sich die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung der Atmung und aller mit ihr in Zusammenhang stehenden körperlichen und psychischen Phänomene (siehe auch Säule 3: Interozeption).

Atmung verbindet Körper und Bewusstsein

Innerhalb der Atempraxis hat das Belassen der Aufmerksamkeit auf der Atmung als körperlichem Akt eine besondere Bedeutung. Der Atemreflex ist im Gehirn über ein Kerngebiet, den Locus coeruleus (LC), direkt mit der Wahrnehmung und dem Bewusstsein verknüpft. Der Locus coeruleus ist im Körper außerdem für die Ausschüttung des Hormons Noradrenalin zuständig. Noradrenalin bestimmt über den Grad der Aufmerksamkeit und Wachheit und über die Stärke der Stressreaktion („Fight-or-Flight“). Aber auch Lernen und Gedächtnis sowie Stimmung und Emotionen hängen direkt mit Noradrenalin zusammen.

Forscher haben festgestellt, dass die Aufmerksamkeit auf der Atmung und jede Schwingung, die die Atmung erzeugt, die Noradrenalinsekretion verändern. Das bedeutet, dass jeder Atemzug, den wir fokussiert wahrnehmen oder in Frequenz und Tiefe anpassen, den LC unterschiedlich anregt. Je nachdem, wie wir atmen, verändert sich folglich der Noradrenalinspiegel in unserem Körper. Diese anatomische Verbindung hilft rein physiologisch, langfristig die Aufmerksamkeitsfähigkeit zu trainieren und den Fokus auf die Atmung zu verstärken.

Im Gehirn regt die Atempraxis Regionen wie den Kortex an. Dieser Bereich wird mit bewussten körperlichen und psychischen Empfindungen und mit exekutiver Kontrolle assoziiert. Nehmen hierarchisch „überlegene“ Gehirnstrukturen an Nervenzellen zu, verbessert sich ihre Funktion. Sie werden eher in der Lage sein, „niedere“ Gehirnregionen wie die Amygdala zu hemmen. Die Amygdala koordiniert die Reaktion auf emotionale Reize und die Ausprägung der Stressreaktion. Eine dauerhaft starke Noradrenalinsekretion macht sie immer aktiver und empfindlicher. Je empfindlicher und aktiver die Neuronen um die Amygdala sind, desto intensiver fallen die emotionale Reaktion und die Stressreaktion aus.

Die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel konnte schon vor vielen Jahren aufzeigen, dass die Nervenzellen um die Amygdala zurückgehen, wenn Studienteilnehmende regelmäßig die Beobachtung der eigenen Atmung praktizieren. Sind weniger Nervenzellen um die Amygdala vorhanden, bedeutet das, dass Noradrenalin die Amygdala weniger stark aktivieren kann. Stressimpulse werden weniger intensiv weitergeleitet, da weniger Nervenverbindungen zur Verfügung stehen. Diese strukturelle Veränderung fördert die Emotionsregulation und hilft, auf Dauer entspannter zu agieren und zu reagieren. Wir werden selbstbestimmter und ausgeglichener.

Gedankenkontrolle kann geübt werden

Wie jeder weiß, ist unser Denker nie still. Stetig versucht er, uns von einer fokussierten Praxis abzulenken – oftmals mit Erfolg. Deshalb gilt es, innerhalb der Atempraxis die Aufmerksamkeit immer wieder neu auf die Atmung auszurichten. Auf diese Weise werden in unserem Gehirn die Nervenverbindungen gestärkt, die Fokus und Konzentration repräsentieren. Gleichzeitig entziehen wir durch das wiederholte Fokussieren auf die Atmung den Netzwerken die neuronale Energie, die impulsives Verhalten und emotionale Überreaktionen bedingen. Fühlen wir uns innerlich entspannter und ausgeglichener, kommt das auch in neuen Denkgewohnheiten zum Ausdruck. Ein entspanntes Nervensystem wird andere Gedanken produzieren als ein überfordertes Nervensystem.

Alles, was wir im Außen, aber auch im Denken und Fühlen wahrnehmen, verändert das körperliche Milieu. Das Spüren körperlicher Sensationen, wie eines erhöhten Herzschlags, begleitet von Kurzatmigkeit bei Angst oder feuchten Händen bei Aufregung, wird als Interozeption bezeichnet.

Säule 3: Sich selbst Spüren – die Rolle der Interozeption

Interozeption verstehen: Körperwahrnehmung als wichtige Säule der Atempraxis in 6 Säulen.

Interozeption ist das Spüren und Wahrnehmen all dessen, was im Körper passiert. Die Atempraxis ist ein körperlicher Akt. Die Wirkung, die sie im Nervensystem entfaltet, ist körperlicher Natur. Interozeption als Fähigkeit, das, was im Körper passiert, wahrzunehmen und einzuordnen, hat in der Atempraxis eine doppelte Bedeutung. Innerhalb der Atmung als Prozess bezieht sich Interozeption auf Phänomene wie Veränderungen der Atemfrequenz oder Lufthunger. So werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Luft schnappen, wenn uns Luft fehlt. Wir werden die Luft anhalten, wenn wir uns direkt vor einem Autoauspuff befinden.

Innerhalb der Atmung als Praxis schließt Interozeption zudem die Wahrnehmung dessen ein, was im Körper und in Gedanken durch das stille Sitzen passiert. Also welche Gedanken welche körperlichen Empfindungen verursachen und welche Körperempfindungen wiederrum spezifische Gedanken nach sich ziehen. Der Fokus nach innen bringt all das ins Bewusstsein, was im stressigen Alltag untergeht. Die Haut fängt an zu jucken, der Rücken zwickt. Besonders aktiv wird in Ruhe auch unser „Denker“. Wir werden mit inneren Bildern bombardiert und von diversen Gedanken und Impulsen überflutet. Oft schleichen sie sich leise ein, sodass wir gar nicht merken, dass wir unaufhörlich denken.

Grafik zur Atempraxis in 6 Säulen: Darstellung der Wechselwirkung zwischen kreisenden Gedanken und körperlichen Reaktionen wie Herzrate und Muskelspannung.

Das Nervensystem reagiert auf jeden dieser bewussten und unbewussten Impulse, inneren Bilder und Gedanken mit einer Veränderung der Körperfunktionen. Interozeption bedeutet, diese Reaktionen wahrzunehmen und bewusst zu durchleben. Dieses bewusste Erleben ist notwendig, um im Gehirn, im Nervensystem und folglich im ganzen Körper die erwünschte Neuorganisation anzuregen.

Interozeption fördert die Emotionsregulation.

Die Praxis der Interozeption stärkt nachweislich die Verbindung zwischen Körper und Gehirn. Gleichzeitig steigert sie die Fähigkeit, sich selbst als Körper wahrzunehmen, also die Selbstwahrnehmung. Unterschiedliche Studien weisen darauf hin, dass eine gut ausgeprägte Fähigkeit zur Interozeption die Stresstoleranz erhöht. Wenn wir resilienter im Umgang mit Stress reagieren verbessert sich auch unsere Fähigkeit zur Emotionsregulation. Das Spüren dessen, was im Körper passiert, sowie das bewusste Entziehen der Aufmerksamkeit von negativen körperlichen Phänomenen, ungünstigen Gedanken und äußeren Umständen bedarf Achtsamkeit (Säule 4).

Sind wir in der Praxis mit kummervollen Gedanken beschäftigt, wird sich das in unserem Körper und in unserer Psyche widerspiegeln. Die Achtsamkeit hilft uns dabei, wahrzunehmen, wenn sich uneingeladene Gedanken breitmachen. Durch das Neuausrichten der Aufmerksamkeit und dem Wiederherzustellen des inneren Fokus unterstützen wir das Nervensystem beim Umlernen.

Innerhalb des nächsten Atemblogs werden wir uns intensiver damit beschäftigen, was Achtsamkeit (Säule 4) innerhalb der Atempraxis bedeutet. Detailliert werden wir beleuchten wie sie uns dabei helfen kann, unser Denken, Fühlen und Verhalten zu verändern. Sie werden erfahren, warum das Wissen um die Hintergründe der Praxis, also die Psychoedukation (Säule 5) hilft, Ziele zu erreichen. Und zu guter Letzt werden wir uns in Säule 6, (Technik), mit der Frage auseinandersetzen, wie Atmung als Praxis anatomisch korrekt praktiziert werden sollte.

Im Kommenden Blog:

ATMUNG ≠ ATMUNG:

Die 6 Säulen der Atempraxis – (Teil 2) – Säule 4. Achtsamkeit, Säule 5. Psychoedukation und Säule 6. Technik.

Quelle: Wolke., M. (2026). Ich atme also bin ich. Wie Atmung Denken Fühlen und Verhalten in Einklang bringt. Mayer& Meyer: Achen.

WIE ATMEN SIE?

Die unterschätzte Superkraft: Warum wir verlernt haben, richtig zu atmen

Die konventionelle Medizin unterschätzt bis heute massiv, wie grundlegend eine funktionelle Atmung die physische und psychische Gesundheit beeinflusst. Dabei blicken wir auf ein evolutionäres Meisterwerk zurück: Über Millionen von Jahren hat sich unsere Atmung optimiert und an den aufrechten Gang angepasst. Ein entscheidender Meilenstein war dabei die Entstehung des Zwerchfells vor rund 300 Millionen Jahren. Dieser evolutionäre Sprung ersetzte die weniger effektive Brustatmung durch die weitaus effizientere Zwerchfellatmung.

Diese Entwicklung zeigt, wie eng Atemmuster mit unserer biologischen Anpassung verbunden sind.

Das Paradoxon: Unsere Atmung scheint sich zurückzuentwickeln

Obwohl uns die Evolution das perfekte Werkzeug geschenkt hat, zeigen aktuelle Forschungen ein besorgniserregendes Bild: Immer mehr Menschen verfallen in eine flache Brust- oder Mundatmung. Unser moderner Lebensstil – geprägt von Bewegungsmangel, Fehlhaltungen und Umweltfaktoren – verdrängt die biologisch effektivste Methode: die tiefe Nasenatmung.

Verstopfte Atemwege oder eine dauerhaft falsche Körperhaltung zwingen uns in Atemmuster, die unserem Organismus langfristig schaden. Dabei ist die evolutionsbiologisch effektivste Form der Atmung kein Geheimnis: Sie ist leise, rhythmisch-variabel und erfolgt tief durch die Nase.

Bevor wir in den kommenden Beiträgen die zahlreichen positiven Effekte der Atempraxis beleuchten, richten wir heute den Fokus auf den Ursprung – Ihre eigene Atmung:

Wie atmen Sie? Jetzt gerade, in diesem Moment?

Das Wissen über die eigene Atmung ist entscheidend. Es kann uns helfen gesünder zu werden und wenn nötig Atemgewohnheiten zu identifizieren, die für unsere umfassende Gesundheit ungünstig sind. Durch Atempraxis oder durch Atemmuskeltraining können Sie die Atemmuskulatur stärken und das persönliche Atemmuster langfristig verbessern.

Deshalb möchte ich Sie heute dazu einladen, einen Augenblick inne zu halten und Ihren Atem wahrzunehmen.

Atmen Sie durch die Nase oder durch den Mund?

Die normale Ruheatmung sollte immer durch die Nase stattfinden. Die körperliche und die psychische Gesundheit sind physiologisch direkt von der Nasenatmung abhängig.

Sind Ihre oberen Atemwege frei?

Das ist insofern wichtig, als dass Nasenatmung tagsüber und nachts nur dann möglich ist, wenn es die Nase zulässt. Verstopfte Nasennebenhöhlen und eine dauerhaft angeschwollene Naseschleimhaut fördern die ungesunde Mundatmung.

Schlafen Sie mit offenem oder mit geschlossenem Mund?

Auch nachts atmen Sie idealerweise mit geschlossenem Mund durch die Nase. Das Schlafen mit offenem Mund zieht viele unangenehme Folgen wie trockene Schleimhäute, nächtliche Weckreaktionen und Schnarchen nach sich. Auch Symptome wie die Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) und tiefgreifende Erkrankungen wie das metabolische Syndrom (Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck) werden durch die Atmung durch den Mund – tagsüber und nachts – begünstigt.

Welches Nasenloch ist dauerhaft freier und somit dominant?

Da die Anschwellung der Nasenschleimhaut kontralateral mit den Gehirnhemisphären in Verbindung steht ( ist das rechte Nasenloch aktiver spiegelt es sich in der Aktivität der linken Hemisphäre wider und umgekehrt) ist es ausserordentlich wichtig, dass die Nasenlöcher sich in der Anschwellung abwechseln. Ist eine Nasenseite durch eine Verschiebung der Nasenscheidewand, Allergien oder sonstiges langfristig undurchlässig oder verstopft, hat es auf Dauer ungünstige Auswirkungen sowohl auf die Lungen- als auch auf die Gehirnfunktionen.

Wenn Sie als Übung bewusst versuchen, durch das verstopfte Nasenloch zu atmen, stimulieren Sie aktiv die Nasenschleimhaut dieser Seite. Der Luftdruck wirkt dabei direkt auf das Gewebe ein, sodass sich die Nasengänge mit der Zeit immer weiter öffnen können. Im Allgemeinen gilt:

Nasenatmung fördert Nasenatmung.

Je mehr wir uns zwingen, durch die Nase zu atmen, umso durchlässiger werden die Nasengänge.

Atmen Sie leicht und fließend oder angespannt und anstrengend?

Normales Atmen fließt immer leicht und ohne Anstrengung. Eine angestrengte Atmung deutet auf körperliche oder psychische Anspannungen sowie andere Symptome oder Erkrankungen hin. In diesem Fall empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.

Ist Ihr Atem deutlich hörbar oder geräuschlos?

Einen gesunden Atem sollte man nicht hören. Atmung wird nur hörbar, wenn wir uns körperlich belasten oder unter Erkrankungen wie Asthma, COPD, Erkältungen oder Entzündungen der Atemwege und Infektionen leiden. Sollte Ihr Atem laut hörbar und geräuschvoll sein ist es anzuraten Ihren Arzt zu konsultieren.

Beobachten Sie beim Atmen in Ruhe, dass Sie Luft ziehen?

Das Lufteinziehen signalisiert oft psychischen Stress, entspringt aber mitunter auch schwerwiegenden Erkrankungen wie Herzproblemen, Infekten oder geschädigten Atemwegen. Auch hier ist eine ärzliche Abklärung zu emfpehlen.

Wie oft seufzen oder gähnen Sie?

Durch das Gähnen und durch das Seufzen unterstützt der Körper den Gasaustausch und reguliert so durch die Veränderung der Atmung in Frequenz und Tiefe auch Stress und körperliche Anspannung. Beobachten Sie bei sich extrem häufiges Seufzen oder Gähnen, deutet dies unter Umständen auf neurologische Ursachen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Solche Atemmuster haben oft harmlose Gründe, verdienen aber besondere Aufmerksamkeit, wenn Symptome wie Brustschmerzen, Schwindel, starke Müdigkeit oder Atemnot sie begleiten. In diesen Fällen schafft eine ärztliche Untersuchung Klarheit und schließt ernsthafte Probleme sicher aus.

Wie variabel ist Ihr Atemrhythmus?

Der variable Rhythmus der Atmung (= Atemratenvariabilität –ARV) weist konform zum variablen Rhythmus des Herzschlags (= Herzratenvariabilität – HRV) auf körperliche und psychische Gesundheit hin. Dabei gilt: Je variabler, desto besser. Eine gesunde Atmung kann sich konform dem Herzschlag immer schnell unterschiedlichen Anforderungen aus dem Körperinneren und aus der Umwelt anpassen. Sollten Sie beobachten, dass Ihre Atmung regelmäßig „stockt“ oder dass Atempausen tagsüber oder nachts auftreten, besprechen Sie es bitte mit Ihrem Arzt.

Fühlt sich Ihr Rumpf bzw. Brustkorb flexibel oder angespannt an?

Starke Spannungen im Muskelgewebe des Rumpfes und des Brustkorbs erhöhen den Widerstand beim Atmen. Diese muskulären Verspannungen schränken die Beweglichkeit der Wirbelsäule sowie die freie, tiefe Atmung ein. Gezielte Physiotherapie oder Yoga lindern diese Blockaden, beugen Verspannungen vor und halten das Gewebe geschmeidig.

Atmen Sie im Alltag tief (Zwerchfellatmung) oder neigen Sie eher zu einer flachen Atmung (Brustatmung)?

Das Zwerchfell kontrolliert idealerweise Ihre Atmung, nicht die Flanken. Ihre körperliche und mentale Entspannung hängen dabei direkt von der Tiefe Ihrer Atemzüge ab. Eine flache Brustatmung stimuliert das Lungengewebe nur unzureichend. Dadurch bleiben wichtige Rezeptoren des Parasympathikus inaktiv, da diese in den unteren Bereichen der Lunge liegen und ein bestimmtes Atemvolumen benötigen. Im Gegensatz dazu stehen die oberen Lungenbereiche vor allem mit Rezeptoren in Verbindung, die an den Sympathikus knüpfen. Eine flache, schnelle Atmung verstärkt folglich rein physiologisch die sympathische Anspannung und die Stressreaktion in Ihrem Körper. Entwickelt sich die Brustatmung zu einem chronischen Zustand, bezeichnen Mediziner dies als Hyperventilationssyndrom.

Fällt es Ihnen leicht oder schwer in den Bauch zu atmen?

Eine eingeschränkte Bauchatmung resultiert häufig aus muskulären Verspannungen der Rückenpartie. Fehlhaltungen beim Sitzen, Bewegungsmangel oder chronischer Stress erhöhen den Muskeltonus derart, dass die Atemmechanik blockiert. Ebenso beeinträchtigen gastrointestinale Faktoren die Zwerchfellaktivität: Gasansammlungen im Darm verlagern das Zwerchfell kranial (nach oben) und reduzieren das inspiratorische Volumen. Zudem reizt Reflux den Nervus phrenicus oder das Zwerchfell direkt, was tiefe Atembewegungen spürbar erschwert.

Bewegen sich Ihre Schultern beim Ein- und Ausatmen?

Die Atembewegung sollte äußerlich nicht sichtbar sein. Bewegen sich beim Atmen Ihre Schultern, zeugt es davon, dass Sie gerade angestrengt atmen. Diese Atmung zeugt von Stress, kann aber auch Anzeichen einer ernsten körperlichen Erkrankung sein. Lange Episoden dieser Atmung können die Nackenmuskulatur verspannen und Hals- und Nackenprobleme fördern.

Jeder Atemzug entscheidet über Ihre Gesundheit

Wie Sie sehen, ist eine gesunde Atmung an bestimmte anatomische Grundlagen geknüpft. Die wichtigsten und fundamentalsten Prinzipien der Atmung, die sich innerhalb der Evolution herausgebildet haben sind:

NASENATMUNG:
LEISE
RHYTHMISCH
VARIABEL
TIEF (ZWERCHFELLATMUNG)

Eine leise, rhythmisch-variable und tiefe Zwerchfellatmung durch die Nase entscheidet folglich über den Zustand unseres Körpers und aller seiner Zellen. Evolutionsbiologisch bringt sie mit dem geringsten energetischen Atemaufwand die größte Atemeffizienz und ist grundlegend für die Aufrechterhaltung der Gesundheit.

Sind wir gesund und entspannt, ist es wahrscheinlich, dass auch unsere Atmung gesund und entspannt ist. Leiden wir unter Verspannungen, Stress oder anderen körperlichen oder psychischen Symptomen wird sich das ebenfalls in unserer Ruheatmung widerspiegeln.

Haben Sie innerhalb der oben dargestellten Punkte Atemweisen identifiziert, die Ihrer Gesundheit schaden könnten, klären Sie zunächst ab, ob anatomische Faktoren vorliegen, die eine normale Nasenatmung verhindern. Stellen Sie bei sich selbst fest, dass Sie tagsüber und nachts vermehrt durch den Mund atmen, unter Schlafapnoe leiden oder flach und schnell atmen, oder sogar hyperventilieren, konsultieren Sie Ihren Arzt, um schwerwiegendere Erkrankungen auszuschließen bzw. um diesen rechtzeitig Vorzubeugen.

Das Wissen um die eigenen Atmung und die Arbeit mit dem Atem können die Gesundheit und die Lebensqualität signifikant verbessern. Weitere relevante Informationen zum Thema Atmung finden Sie auch in meinem am 13.3.2026 erschienenen Buch: Ich atme also bin ich.

Quelle: Wolke., M. (2026). Ich atme also bin ich. Wie Atmung Denken Fühlen und Verhalten in Einklang bringt. Mayer& Meyer: Achen.

Im nächsten Blog: Atemarbeit ≠ Atemarbeit: die 6 Säulen der Atempraxis

ICH ATME ALSO BIN ICH

Buch: Ich atme also bin ich

Wie Atmung unser Denken, Fühlen und Verhalten in Einklang bringt

Atmung verstehen:

Die Atmung ist weit mehr als ein rein automatischer Vorgang. Tatsächlich stellt sie das einzige physiologische System dar, das sowohl reflektorisch als auch willentlich gesteuert werden kann. Infolgedessen ermöglicht die Atmung einen direkten Zugang zum autonomen Nervensystem. Dieses Buch zeigt, wie gezielte Atempraxis genutzt werden kann, um zentrale Prozesse im Körper und Gehirn zu beeinflussen: von Stressregulation über Aufmerksamkeit bis hin zur emotionalen Stabilität und Leistungsfähigkeit.

Worum es in diesem Buch geht

Die Art und Weise, wie wir atmen, hat sich über Millionen Jahre hinweg entwickelt. Infolgedessen ist dieses System perfekt auf Effizienz sowie Anpassungsfähigkeit ausgelegt. Dennoch zeigen aktuelle Entwicklungen, dass viele Menschen heutzutage massiv dysfunktionale Atemmuster aufweisen. Dies betrifft beispielsweise die flache Brustatmung oder die chronische Mundatmung, welche die physiologische Integrität nachhaltig stören.

Das Buch erklärt:

  • warum diese Muster entstehen
  • welche Auswirkungen sie auf Körper und Psyche haben
  • und wie sich Atmung gezielt verändern lässt

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Atempraxis als strukturiertes Trainingsinstrument genutzt werden kann, um nachhaltige Veränderungen im Nervensystem zu bewirken.

Die sechs Säulen der Atempraxis

Ein zentraler Bestandteil des Buches ist ein klar strukturiertes Modell, das die Wirkmechanismen von Atemarbeit verständlich macht. Die Praxis basiert auf sechs grundlegenden Säulen:

  • Intention
  • Aufmerksamkeit
  • Interozeption
  • Achtsamkeit
  • Psychoedukation
  • Technik

Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht eine effektive und sichere Anwendung der Atempraxis.

Wissenschaftlich fundiert und praxisnah

Das Buch verbindet aktuelle Erkenntnisse aus Neurophysiologie und Psychologie mit einer klar strukturierten Praxis. Es zeigt, wie Atmung auf Gehirnprozesse, das Stresssystem und die Emotionsregulation wirkt – und wie diese Mechanismen gezielt genutzt werden können.

Dabei geht es nicht um kurzfristige Effekte, sondern um nachhaltige Veränderung durch wiederholte Praxis.

Für wen dieses Buch geeignet ist

Dieses Buch richtet sich an Menschen, die:

  • eine fundierte, nicht vereinfachte Auseinandersetzung mit Atemarbeit suchen
  • ihre Atmung bewusst verstehen und nutzen möchten
  • ihr Nervensystem gezielt regulieren wollen
  • sich für die Verbindung von Körper, Gehirn und Verhalten interessieren

LESEPROBE:

Viel Spass beim Lesen:)